Dienstag, 29. November 2011

Cantonese Opera Day

Die letzten Tage hatten wir hier eine unglaublich klare Sicht. Es ist jetzt Ende November und immer noch um die 20 Grad und bei einem solch schönen Sonnentag wurde mir die kantonesische Oper näher gebracht und dieses Wissen möchte ich natürlich gern teilen. :-) Die chinesische Oper beinhaltet verschiedene Kunstformen, wie den Tanz, Gesang, Akrobatik und Schauspielerei. Die kantonesische Oper als eine Sonderform der chinesischen Oper wurde von der UNESCO sogar in die "Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity" aufgenommen.
Früher wurden selbst die Frauenrollen in der Oper von Männern gespielt, da es den Frauen nicht erlaubt war, an dieser Kunstform mitzuwirken. Damit dem Zuschauer aber sofort bewusst ist, ob die Person auf der Bühne eine Frau oder einen Mann representiert gibt es ein paar Erkennungsmerkmale.
Der Mann:
Er hat eine kahle Stirn und bewegt sich mit großen Schritten. Je weiträumiger seine Schritte und je größer seine Füße sind, desto mehr Macht und Einfluss representiert er. Seine Gewänder können auch sehr schön und auffällig geschmückt sein. Er spricht und singt mit normaler Tonlage. (Das gilt dann heutzutage auch für die weiblichen Künstler, die einen Mann spielen)
Die Frau:



Sie hat 7 Haarsträhnen auf der Stirn und ist in ihren Bewegungen sehr vorsichtig und erhaben. Der Frauencharakter macht nur sehr kleine Schrittte. Den Frauen wurde in China früher die Füße verbunden, sodass sie nicht mehr weiterwachsen. Als sehr kleiner Fuß gilt als schön und erhaben. Dadurch konnten die Frauen sich aber kaum bewegen, was durchaus gewollt war, da sie somit den Hof nicht verlassen und ihrem Mann keine Schande bringen konnten. Aus diesem Grund sieht man viele Frauen auf alten Zeichnungen, die in Sänften durch die Gegen getragen wurden. Das lag nicht daran, dass sie zu faul waren zu laufen, sondern es kaum noch konnten. Aber zurück zur Oper. Der Frauencharakter singt und spricht eine gesamte Oktave höher als der Männercharakter und ist daher relativ leicht zu erkennen.

Nebenbei die Ponpons symbolisieren Reichtum und die roten sollen besonders gut sein :-)

Dann gibt es noch den Clown:

Er ist für die Belustigung des Publikums zuständig und wird auch Chou oder "partly painted face" genannt. Denn im Gegensatz zu den anderen Charakteren ist immer nur ein Teil seines Gesichtes geschmickt. Meist ist dieser geschminckte Teil in der Form eines Rechtecks.

Und zu guter Letzt: "the painted face"

Dieser Charakter kann je nach Gesichtsbemalung unterschiedliche Charaktere einnehmen. Ein weißes Gesicht würde zum Beispiel bedeuten, dass er ein Feind ist. Denn weiß ist in China die Farbe des Todes. So wirklich gemein und feindlich sieht er jetzt auf dem Bild nicht aus, aber ich kann ja auch nur wieder geben, was mir erklärt wurde. :-) (Und er hat viele rote Ponpons, also ist es höchstwahrscheinlich ein reicher Feind :D )

Weiterhin interessant sind die Fahnen auf dem Rücken.

Früher hatte jeder Kriegsherr sein eigenes Wappen und hat dieses auf diesen Fahnen auf seinem Rücken getragen.

Und zum Schluss können wir auch all unser Gelerntes als Zuschauer einer kleiner Vorführung anwenden. :-)
Der Cantonese Opera Day, erklärt aber nicht nur netterweise Ausländern, was es mit dieser Kunstform auf sich hat, sondern gibt auch die Möglichkeit zum Fotoshooting mit den Stars. Besonders hinreißend fand ich die recht lange Schlange älterer Frauen, die für ein Autogramm mit ihrem Lieblingsopernstar anstanden. :-)

Wie sie sich freuen :-)

Paint your Cantonese Opera Day Impressions



HKG - I love this city :D

Cantonese Opera Day am TST Pier

Mittwoch, 23. November 2011

Wahlen in China ;-)

Heute wurde gewählt. Undzwar die 10. Wuhua Hall Students Association. Was das ist? Das ist eine Gruppe von 10 engagierten Studenten, die sich für die Belange der Hall und  hallinterne Aktivitäten einsetzt. Diese Wahl wurde lange vorbereitet, seit Wochen hängen die Bewerbungszettel der Bewerber an unserer Pinnwand (im Hintergrund zu sehen) und geben Auskunft darüber, warum die jeweilige Person diesen Job gern übernehmen würde. Vor kurzem gab es auch eine Infoveranstaltung an dem die gesamte Hall Fragen an die Gruppe stellen konnte. Jeder Bewerber hat seine feste Position, einer ist Präsident, der andere Finanzsekretär, ein Weiterer Vizepräsident und Sekretär für äußere Angelegenheiten. Um eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen, plazierten sie sich sogar vor den Fahrstühlen und baten jeden Passanten an der Wahl teilzunehmen. Siehe Foto.
Gegen wen trat die Gruppe denn jetzt aber genau an? Gegen niemanden. Entweder es gibt die Hall Association, weil sie gewählt wurde oder es gibt sie nicht. Und wie viele Stimmen müssen sie insgesamt erhalten, um in das Amt zu kommen? Das ist egal, die Hauptsache ist, dass es mehr Stimmen dafür als dagegen sind.

So lächerlich wie es im ersten Moment klingt, ist es aber gar nicht, finde ich, denn zum einen zeigt es der Association, dass die Mehrheit der Hall hinter ihnen steht und weiterhin würde niemand diesen Aufwand betreiben, wenn ihm nicht wirklich etwas an dieser Position liegt und er sich später auch für die betreffenden Belange einsetzten möchte. Mich hat mal wieder die Motivation und Entschlossenheit mit der sie dieses Projekt betrieben haben verblüfft, beeindruckt und überzeugt. :-) Und nachdem ich natürlich führ die 10. Association gewählt habe (in geheimer Wahl, hinter einer Wand und das Kreuz musste genau innerhalb des Rechtecks sein, was in der "Wahlkabine" auch noch einmal auf chinesisch und mit Bildern erklärt wurde) haben sich bestimmt 3 oder 4 Studenten bei mir bedankt.

Montag, 21. November 2011

Aberdeen und das schwimmende Restaurant

Mein Reiseführer bezeichnet Aberdeen als das zweite Wahrzeichen Hongkongs neben dem Victoria Peak. Einem so großen Bekanntheitsgrad würde ich dem ehmaligen Fischerdorf mit den vielen Hausbooten nicht unbedingt zugestehen, dennoch lohnte siche eine kurze Besichtigung. Früher lebten ca. 5000 Familien ausschließlich auf dem Wasser und die Menschen verließen ihre Boote nur um ihren Fang auszuladen oder um einkaufen zu gehen. Sogar Tiere leben auf den Booten, wie zum Beispiel Hunde oder Hühner.
Aberdeen hat 2 sogenannte typhoon shelter, sodass die Boote auch während eines Typhoons in Sicherheit sind.
Die "boat people" haben ihre eigene Kultur entwickelt, was eine eigene Sprache, Hochzeitsrituale oder Lieder mit einschließt. Die meisten von ihnen leben jedoch in Armut, da je nachdem wie der Fang ausfällt auch das Einkommen schwankt. Ein weiteres Problem war die Bildung der Kinder, denn aufgrund der vielen Zeit, die die Familien auf See verbrachten, gingen viele Kinder nicht in die Schule. Daraufhin wurden von sozialen Einrichtungen schwimmende Schulen gegründet, die versuchten eine Grundbildung in den verschiedenen typhoon sheltern zu etablieren.







Eine besondere Attraktion ist das schwimmende Restaurant, welches wir auf der Hafenrundfahrt jedoch nur von außen gesehen haben und das Essen nicht verkosteten.
Vorderseite des Restaurants

und die Rückseite :-)
 Und hier hätten wir dann noch ein paar nette Yachten. :-)



Pink Dolphins

Eine weitere Einzigartigkeit Hongkongs ist, dass in den westlichen Gewässern, hinter Lantau Islands weiße und pinke Delphine leben. Sie gehören zu der Rasse der Indo-Pacific humpback dolphins oder werden auch chinese white dolphins genannt. Bevor ich weiter über die Tiere berichte, ersteinmal ein paar Fotos, denn sie sind wirklich pink :-)





Genau genommen werden sie grau geboren und bekommen in der Pubertät ihre ersten pinken Punkte. Sobald sie dann erwachsen sind, ist ihr gesamter Körper pink.
Es gibt verschiedene Erklärungen, warum diese Delphine eine solch helle Färbung annehmen. Zum einen könnte fehlende Sonneneinstrahlung zu einem Pigmentverlust beitragen. Ein anderer Grund könnte das Fehlen von natürlichen Feinden, wie zum Beispiel Haien sein, wodurch eine tarnende Färbung wie grau nicht mehr notwendig ist.
Die Tiere schwimmen gern den Fischerboten hinterher und fressen die Fische, die aus den Netzten rutschen und genau bei dieser Aktivität konnten wir sie auch beobachten.
Wer sich den Trip jetzt jedoch als idillische Fahrt auf das große weite Meer vorstellt, liegt knapp daneben. Denn nicht nur das die großen Containerschiffe allgegenwärtig waren und die nach Macau fahrenden Schnellboote ständig unseren Weg kreuzten, auch die Aussicht auf die Fabrikgebäude minderten ein wenig die Freude über diese wunderbaren Tiere.



Der Indo-Pacific humpback Delphin lebt etwa 40 Jahre. Die Tiere in der Nähe Hongkongs werden jedoch nur circa 30 Jahre alt. Sie haben mit Überfischung, Umweltverschmutzung und Müll in den Gewässern zu kämpfen. Einige von ihnen haben tiefe Narben, weil sie sich beispielsweise in einem Seil verfangen haben und dieses sich tief in ihre Haut eingeschnitten hat.

Das Leben in den Halls

Vor kurzem hatten wie hier den Hall- internen Singing Contest. Also die Halls sind das Studentenwohnheim. Das gesamte Studentenwoheim ist in verschiedene Halls aufgeteilt. 2 Stockwerke bilden eine Hall und es gibt zum Beispiel eine Hall in der nur Mädchen wohnen, aber der Rest ist gemischt glaube ich. Jede Hall hat ein Organisationskomitee, das verschiedene Abende organisiert. Zum Beispiel hatten wir einen England Abend an dem dann Essen für alle gemacht wurde und wir verschiedene Spiele gespielt haben. Sie sind so unglaublich kreativ hier. Zum Beispiel haben sie versucht Quiddich aus Harry Potter nachzuahmen. Es gab 2 Teams und jeder Spieler musste sich einen Besen zwischen die Beine klemmen und versuchen den Ball in das Tor des Gegners zu spielen. Gleichzeitig muss einer aus jedem Team versuchen, einen Marshmallow mit dem Mund in der Luft zu fangen. Also der Marshmallow war an eine Schnur gebunden und wurde von einer höheren Gallerie aus hin und her geschwungen. Das Team, das Fangen des Marshmallows gab eine sehr hohe Punktzahl, das Spiel war dann aber nicht zu Ende, sondern man konnte immer noch weiter versuchen Tore zu schießen. Es wurde 5 Minuten pro Runde und 2 Runden gespielt.
Wenn die Erstsemestler an die Uni kommen gibt es eine Woche lang ein "Orientation Camp". Das war absolut crazy, denn sie haben wirklich jeden Abend bis 2 Uhr nachts gespielt und sich gegenseitig angefeuert.
Naja jedenfalls gibt es auch einen Contest zwischen den Halls. Dieser Contest schließt ziemlich viel mit ein, wie z.B. Sportwettberbe (Schwimmen, Badminton, Volleyball, ...), Energieverbrauch, Sauberkeit und unter anderem auch den Singing Contest. Der Singing Contest ging über 2 Abende und jeder konnte sich anmelden. Die meißten haben solo mit Hintergrundmusik gesungen. Es gab aber auch Gruppen, die teilweise echt verrückt waren (siehe Videos) und instrumental Beiträge. Größtenteils hielt sich die Qualität eher in Grenzen, aber manche waren auch echt verdammt gut. Leider war mein Speicherplatz bei den Guten bereits voll. :-)

http://www.youtube.com/watch?v=NsXbJYpssFA&feature=feedu
http://www.youtube.com/watch?v=USDIxMdc9PM&feature=feedu
http://www.youtube.com/watch?v=L5KLmRYgVog&feature=feedu
http://www.youtube.com/watch?v=ZTZKEw76jz4&feature=feedu

Dienstag, 18. Oktober 2011

Wie ist eigentlich die Uni???

Nachdem ich jetzt schon mehrmals gefragt wurde, wie denn eigentlich die Uni sei, möchte ich das hier auch kurz beschreiben.
Die Uni und das Unileben sind ziemlich anders. Das es nicht wie an der DHBW sein wird war mir schon klar, aber ich weiß nicht ob deutsche Unis ein ähnliches Angebot haben. Ich zähle einfach mal verschiedene Dinge auf, die mir aufgefallen sind und die ich ungewöhnlich finde. Also zum einen gibt es 2 Banken auf dem Uni Gelände, nicht nur Automaten sondern eine eigenen Filiale. Dann kann man in dem Sportteam der Uni nicht mittrainieren, wenn man zu schlecht ist, also das man an keinem Turnier teilnehmen dürfte kann ich ja gut verstehen, aber dass man nicht mal trainiert wird, ... Was ich wirklich schön finde ist, dass es jedes Jahr ein Buch gibt, dass alle kostenlos erhalten die an dem Programm Read@PolyU teilnehmen. Dieses Jahr ist es "Kite Runner". Die Teilnehmer treffen sich dann ab und zu und diskutieren über das Kapitel, welches sie gelesen haben und tauschen Ideen und Gedanken mit den anderen aus.
Der Unterricht selbst ist sehr anspruchsvoll und man hat außerhalb der Uni einen hohen Arbeitsaufwand, um den gesamten Stoff aufzuarbeiten. Weiterhin gibt es mehr kontinuierliche Arbeit. Meine Noten setzten sich aus Hausaufgaben, Attendance, Midterm und final Exam zusammen.
Prinzipiell hat man auch mehr Möglichkeiten, das Wissen in verschiedenen Projekten praktisch umzusetzten. Beispielsweise haben wir in dem Fach Foundations of Database Systems ein Projekt in dem wir ein Banquett Management System für die Tourismus Studenten entwerfen. Die Tourismus Studenten organisieren nächstes Jahr 2 reale, internationale Kongresse und benötigen dafür ein Delegate Management System und ein Banquett Management System. Sie treten bei uns in dem Kurs als Kunden auf und haben uns bereits ihre Anforderungen präsentiert. Daraufhin haben wir das System entworfen und ein kleines Pflichtenheft eingereicht. Jetzt geht es langsam an die Implementierung. Die besten DBMS werden dann später für den tatsächlichen Kongress verwendet. Eine Gruppe besteht im Schnitt aus 4 Personen. Ich finde das ist eine super Idee.
Interressant ist ebenfalls, dass unsere Uni ein Hotel betreibt und besitzt. (http://www.hotel-icon.com/) Es wurde erst dieses Jahr im September eröffnet und dient als Ausbildungsstätte für die Studenten.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Die kleinen aber essentiellen Unterschiede

Erst einmal vorneweg mein kleines Erfolgserlebnis des Tages: Ich habe eine lokale Kommilitonin von hinten erkannt!!

Gestern hatte ich eine zuerst unangenehme im Nachhinein aber relativ interessante Situation. Ich teile mir mein Zimmer mit Yunji (einer Koreanerin) und komme mit ihr auch wirklich gut aus. Das Bad teilen wir uns wiederum mit 3 Festlandchinesinnen von denen ich ja auch schon teilweise erzählt habe. Eine von den Dreien ist im Bad nicht gerade die Sauberste. Gestern war die Toilette dann aber so schmutzig, dass ich im Nebenzimmer geklopft habe und sie gebeten habe die Toilette sauber zu machen. Dann meinte sie zu mir, dass es ihr voll leid tut und das sie nicht weiß, wie sie es sauber machen soll und halt schon ganz oft gespült hat. Ich habe ihr dann die Toilettenbuerste gezeigt und bin wieder in mein Zimmer. Das Wundersame ist jetzt aber, dass sie in einen großen Behälter Wasser laufen lassen hat und diesen dann in die Toilette geschüttet hat und das Ganze 3 bis 4 Mal wiederholt hat. Letzendlich kam dann auch noch die Dusche in irgendeiner Art und Weise ins Spiel. Ich meine anscheinend weiß sie wirklich nicht, was sie mit einer Toilettenbürste anfangen soll und ich hatte mich vorher öfters gewundert, dass dieToilette manchmal unsauber war, die Frage ist aber:Wie reinigen sie in China die Toiletten????
Yunji ist endlich wieder da, sie war zu Hause in Korea. Sie wollte eigentlich bereits am Montag zurückkommen, hat ihren Flug aber verschoben und kam erst am Donnerstag wieder. Ich habe mich schon richtig einsam gefühlt.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Vettel wird höchstwahrscheinlich wieder Weltmeister und ich war beim Qualifying in Singapore!!!

Das war eigentlich  nicht geplant, dass ich so viel herumreise, aber da ich freitags generell frei habe, bietet es sich an :-)
Um diese Zeit optimal auszunutzen haben wir lange nach guten Flügen gesucht und sind fündig geworden :-) Unser Hinflug startete von Hongkong früh um 6.00.Das bedeutete, dass wir gegen 10.00 Uhr in Singapore ankamen. Das Tolle an dem Flughafen war, dass es für Kinder (Maximalgröße war 1,30m, so klein bin ich dann doch wieder nicht) anstatt einer Rolltreppe eine Rutsche gab. Die Idee fand ich super :D. Das sollten sie  auch für größere Menschen einführen.
Der Weg in die Stadt war etwas kompliziert, heute denke ich, dass dies jedoch vor allem an unserem Schlafmangel lag. Es gab 3 Terminals plus ein Budget Terminal die jeweils mit einem Skytrain verbunden waren, es war jedoch nicht ersichtlich von wo aus jetzt die Metro in Richtung Stadt abfuhr. Nachdem wir die Station gefunden hatten waren wir überglücklich und freuten uns auf das bevorstehende Wochenende. Nach ca. 10 min Fahrt fiel uns jedoch auf, dass wir wieder zurück zum Flughafen fuhren. Die MTR fährt nur 3 Stationen, dann muss man umsteigen, in die gleiche Linie, nur dass sie auf dem anderen Gleis ist. Klingt so, als ob wir alle zu blöd sind U-Bahn zu fahren, aber glaubt mir das war wirklich nicht selbsterklärend dieses System. Naja letzendlich haben wir es ja dann bis zum Hostel geschafft. Dieses Mal war es sogar auf der Karte eingezeichnet ;-) Witzig war, dass unser Hostel in der Hongkong Street lag. Diese Stadt ist uns halt mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass wir auch auf Reisen nicht mehr auf sie verzichten möchten :-)
Aufgrund der Formel 1 waren an diesem Wochenende viele Menschen nach Singapore gereist, so auch eine Gruppe von Schweden, die ich persönlich vorher nicht kannte, meine Mitreisenden jedoch schon. Wir hatten alle den gleichen Flug, haben uns aber nach der Ankunft in Singapore getrennt, da wir in unterschiedlichen Hostels waren. Wie der Zufall es jedoch wollte, trafen wir zwei von Ihnen auf unserem Weg zu unserem Hostel wieder. Ich möchte jedoch anmerken, dass Singapore wirklich eine kleine Stadt ist. Zusammen mit den verschiedenen Inseln eingeschlossen hat Singapore eine Fläche von 710km², die Hälfte von "Greater London" . Mit einer Bevölkerung von 5 Millionen Menschen (nocheinmal zur Erinnerung: Hongkong hat 7 Millionen und eine Fläche von 1.104 km², davon aber viel Urwald.) Interessant ist weiterhin, dass Singapore 4 offizielle Sprachen hat: Englisch, Mandarin, Malay und Tamil. Wobei das English als Singlish bezeichnet wird, da es sowohl von der Aussprache als auch manchmal grammatikalisch von Mandarin und Malay beinflusst wird. Für eine kleine Kostprobe bitte folgenden Link ansehen. :-)


Ich muss kurz etwas zur Entstehung Singapores erzählen, da ich das unglaublich interessant finde. Singapore wurde von Sir Stamford Raffles gegründet, einem Briten der bereits auf einem Schiff geboren wurde und fast sein gesamtes Leben in Südostasien verbracht hat. Nachdem er die Regierung von Penang, Malaya und Java geleitet hatte, kehrte er für eine kurze Auszeit nach London zurück, gründete dort den Zoo Londons und wurde geadelt. Zurück in Asien hielt er sich zuerst in Sumatra auf und widmete sich dem Studium der Flora and Fauna. Er entdeckte die Rafflesia arnoldii.
Rafflesia arnoldii
1819 gründete er Singapore und ließ den Padang, eine große Grünfläche die bis heute fast unverändert erhalten ist, anlegen. Raffles verbracht relativ wenig Zeit in der Stadt, sein letzter Besuch war 1822 und 1824 kehrte er endgültig nach England zurück, um in Rente zu gehen. Unglücklicherweise ging die Bank in der er 16.000 Pfund angelget hatte Pleite und die East India Company für die er sein Leben lang gearbeitet hatte, forderte 22.000 Pfund aufgrund von Überbezahlung zurück. Er war also ziemlich pleite und starb 1826 in Folge eines Hirntumors. Er wurde ohne Gedächtnisstein begraben und erhielt einzig 1832 eine kleine Statue in der Westminster Abbey als Andenken.
Sein Name ist in Singapore jedoch allgegenwertig es gibt alles: Raffles Place, Raffle Statue, Raffles Hotel, Raffles landing site, Raffles City. Zu der landing site gibt es auch eine interessante Geschichte, dort steht nämlich heutzutage eine Kopie der Statue von Sir Stamford Raffle. Das Orginial stand früher vor dem Uhrenturm am Padang und wurde während der japanischen Besetzung nach Tokio geschickt um sie dort einzuschmelzen. Der Kurator der National Museum in Tokio versteckte sie jedoch und meldete sie lediglich als zerstört.

Aber gut zurück zu unserem Trip. Nachdem wir im Hostel unsere Koffer zurück gelassen hatten, (wir konnten leider noch nicht einchecken, da wir zu zeititg dort waren) suchten wir ein Restaurant um unseren Hunger zu stillen und wurden auch relativ schnell fündig. Es war ein kleines Lokal mit vielen Einheimischen und ohne englische Karte. Man stellt sich also einfach an und wenn man an der Reihe ist, hat man als Grundlage einen Teller Reis und zeigt dann auf die Dinge die man gerne dazu haben möchte. Es war super lecker und hat gerade mal 2 Euro gekostet. Interessanterweise wird in Singapore nicht mit Stäbchen gegessen, sondern mit Löffel und Gabel. (Außer Nudelsuppe, die wird auch hier mit Stäbchen und Löffel gegessen.) Anschließend schlenderten wir ein wenig durch den Financial District und machten uns mit Singapore bekannt.
Auffällig war, dass man kaum Menschen auf den Straßen sah. Natürlich war gerade Formel 1 und viele waren auf dem Racetrack, aber auch dort war es nie überfüllt. Vielleicht bin ich bereits dermaßen an die Menschenmassen in Hongkong gewöhnt, dass ich normale Verhätnisse als wenig empfinde :-) Wie soll das erst werden wenn ich nach Deutschland zurück komme? Dann sieht für mich vielleicht alles wie eine Geisterstadt aus ;-)
Nach einer halben Stunde kamen wir am Wasser an und hatten einen Blick auf die Marina Bay Sands, eine enorme Hotel und Kasiono Anlage.

Marina Bay Sands
Weiterhin haben wir ein nettes Fotoshooting mit dem wasserspeienden Merlion gemacht. Das Wahrzeichen Singapores ist eine Mischung aus Fisch und Löwe und repräsentiert den Namen Singapores (Singapura bedeutet "Löwen Stadt" in Sankrit) und die starke Verbindung der Stadt zum Meer. Witzigerweise finden viele den Merlion hässlich und sogar mein Reiseführer schreibt: "wholly ugly", ich persönlich finde ihn gar nicht so furchtbar, aber Geschmäcker sind ja verschieden :D.
Der/Die/Das Merlion und ich :-)
Verschiedene Geschmäcker.....Was ich in Singapore super finde sind die "hawker centres". Da in Singapore keine Straßenstände erlaubt sind, werden diese unter einem Dach gebündelt und in der Mitte gibt es dann Tische und Stühle. Das coole ist halt, dass jeder das essen kann was er gerne möchte und trotzdem alle zusammen essen. Dort habe ich dann auch einen frisch gepressten Zuckerrohrsaft probiert, kann ich wirklich nur empfehlen.

Am nächsten Tag wollten wir uns Chinatown, Little India und das Arab Quarter ansehen. Da Chinatwon nur einen Steinwurf von unserem Hostel entfernt war, fingen wir damit an.

Frische Kokosnüsse in Chinatown

Wir schlenderten ein wenig durch den Markt und besichtigten einen buddhistischen Temple (nein wir haben immer noch nicht genug von Tempeln :D )
Folgend ein kurzes Video von der Tempelmesse, die wir beobachten konnten.

http://www.youtube.com/watch?v=A6QtO5QINws

Als wir uns nach ca. einer halben Stunde draußen wieder treffen wollten, fehlten Zwei. Hm... ich schrieb Ihnen eine SMS wo sie sich aufhielten und Jonathan ging zurück zum Tempel. Ich erhielt dann eine Nachricht, dass die anderen beiden im 3. Stock des Temples seien und dort ein Museum ist. Nachdem ich Jonathan nicht finden konnte, um ihm das mitzuteilen, fuhr ich mit dem Fahrstuhl nach oben, um mir ebenfalls das Museum anzusehen. Es war wirklich sehr interessant, denn das Leben des Buddha wurde erklärt. Wie er geboren wurde und dass er sofort seine ersten 3 Schritte machte und in seinen Fußabdrücken Blumen anfingen zu wachsen. Wie er sein Leben als Mönch gestaltete und wie er starb. Im Museum habe ich dann auch Sarah und Ben wieder getroffen und sie haben mir den Tipp gegeben, den Dachgarten zu besuchen. Wir machten den Eingang als Meeting point aus und jeder ging seiner Wege. Der Dachgarten, war wirklich unglaublich schön, ich glaube ich habe Bilder von jeder einzelnen Orchidee gemacht. :-)
Der wunderschöne Dachgarten

Eine der vielen Orchideen
Als wir uns unten wieder treffen wollten, fehlte Jonathan . Da er keinen Credit mehr auf seiner Handykarte hatte, konnte wir ihn nicht fragen wo er sich aufhielt und anrufen ging irgendwie nicht. Nachdem wir alle Stockwerke des Tempels durchsucht hatten, entschieden wir uns in einem nahegelegenen Foodcourt zu Mittag zu essen. Unerklärlicherweise haben wir durch dieses hin- und her 4 Stunden in Chinatown und dem Temple verbracht und hattten deswegen keine Zeit mehr für Little India und Arab Quarter, denn wir wollten in den Racecourse um uns den Porsche Cup und uns das Formel 1 Qualifying anzusehen.
Hach das war cool :-) Natürlich bekam man nicht alles mit, wer gerade die beste Zeit gefahren ist und wer überhaupt gerade auf der Stecke war, aber das ganze drumherum ist einfach toll und ein einmaliges Flair.






Zwischen dem 3. freien Training und dem Qualifying spielte Shakira. Das ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen :-) Am Anfang , war ich ja etwas skeptisch, aber ich fand das Konzert echt richtig gut und war total froh, dass wir uns entschieden hatten hierher zu kommen. Leider waren wir nur noch zu dritt, da Jonathan die Hälfte des Rennens bereits verpasst hatte und ihm dann der volle Preis zu teuer war. In dem folgen Qualifying holte sich Vettel seine 26. Poleposition und sicherte sich somit einen exzelenten Platz um seinen Weltmeistertitel im Rennen am Sonntag zu verteidigen. GREAT!! :-)
Den Abend ließen wir dann noch gemütlich bei dem Shaggy Konzert ausklingen und kehrten dann in das Hostel zurück.

Am nächsten Tag war dann endlich das Arab Quarter an der Reihe! Leider konnten wir nicht in die Moschee, da gerade zu dieser Zeit, keine Besucher erlaubt waren. Auf unserer Erkundungstour machten wir einen kurzen Stopp bei einem Parfümerie und gönnten uns schöne Düfte. Was total süß war, nachdem ich zwei Düfte gekauft hatte, mixte mir der Verkäufer noch eine Flasche mit einer individuellen Kreation, die ich nicht bezahlen musste. Da hat mich sehr gefreut :-)
Hier konnte man sich auch in einer Kugel in díe Luft schießen lassen. Das habe ich nicht gemacht, aber erzählenswert hierbei ist, dass ein Brautpaar Fotos von sich in der Kugel anfertigen ließ, aber nicht in die Luft geschossen wurde. Was für ein fake! Dem hinzuzufügen ist noch, dass der Mann hoffnungslos überschminkt war.


Anschließend fuhren wir mit der MRT nach East- Singapore.Dort gab es keine typischen Touristenstände und man bekam einen besseren Eindruck über das Leben der Einheimischen. 

In East-Singapore
Für den Rückweg zum Hotel  entschieden wir uns ein Taxi zu nehmen, da die Metro Station ein ganzes Stück entfernt war. Wirt hatten aber ein unerwartes Problem. Obwohl das Taxisystem eigentlich relativ gut ist, denn man kann aufgrund einer Anzeige auf dem Dach sofort erkennen ob es frei, On call oder taken ist, kann es passieren, dass einen die Taxifahrer nicht mitnehmen. Zum Beispiel wenn das ihre letzte Fahrt in dieser Schicht ist und dein Ziel nicht auf ihrer Heimreise liegt oder vielleicht auch aus anderen Gründen. Jedenfalls hatten wir  Probleme ein Taxi zu bekommen, und da wir zu Fünft waren brauchten wir auch noch Zwei. In Hongkong ist das kein Problem, da nehmen die Taxifahrer auch 6 mit, in Singapore ist man sehr strikt. Und das sollte man auch wirklich nicht unterschätzen, denn zum Beispiel  auf Drogenhandel steht die Todestrafe. Es gibt auch verschiedene Taxis: normal, Premium, Limousine, Silver Cap. Und die Taxifahrer arbeiten 12 Stunden 7 Tage die Woche. Letzendlich haben wir uns entschieden vor einem Hotel zu warten bzw. uns anzustellen und dann beträgt die Wartezeit immer noch 10-15 Minuten. Letztendlich war es ganz witzig weil wir uns das Taxi mit zwei Australierinnen aus Perth teilten, die die gleiche Richtung hatten. Ich wusste nicht, dass Perth so absolut im nirgendwo ist. Sie haben nur erzählt, dass es für sie kürzer ist nach Bali zu fliegen, als ihr eigenes Land zu besichtigen.

Wir ließen unseren Städtetrip bei einem Singapore Sling ausklingen. Dieser Cocktail wurde 1915 im Raffles Hotel von Ngiam Tong Boon erfunden.
Nachdem wir dann die schwarz-weiß karierte Fahne für Vettel haben schwingen sehen, konnten wir noch kurz das Feuerwerk bewundern und mussten uns dann leider wieder auf den Weg zum Flughafen machen.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich Hongkong für einen Exchange wirklich vorziehe. Das Flair ist einfach viel besser, irgendwie asiatischer. Ich kann es wirklich schwer in Worte fassen. Wobei die Hawker Centers werde ich schon sehr vermissen ;-)

Samstag, 1. Oktober 2011

Ein verrückter Mittwoch in Hongkong

Eigentlich hat die folgende Geschichte gar nicht an dem Mittwoch stattgefunden, aber ich quetsche sie hier einfach mal mit rein, weil sie zu kurz für einen eigenen Post ist. :-)
Wir waren in einer kleinen Gruppe in der Kantine der Halls Mittag essen und Michael meinte schon auf dem Hinweg, dass er unbedingt etwas mit Nudeln essen möchte, weil er keinen Reis mehr sehen kann und auch allgemein nicht so der Reis-Fan ist. Naja vor der Speisekarte angekommen, stellten wir fest, dass es leider nur Gerichte mit Reis gab. (Normalerweise gibt es immer ein oder 2 Gerichte mit Nudeln, aber halt nicht an diesem Tag). Also stand Michael umgeben von Chinesen in einer großen Kantine und schrie: "I hate fucking rice!!!" Es drehten sich erstmal alle um und sahen ihn komisch an und dann lachte ihn die halbe Kantine aus. :D :D Das war großartig.
Was mich heute beeindruckt hat war, dass von unserem Department aus eine soziales Engagement organisiert wird. Studenten aus dem Comupter- Department organisieren eine Weihnachtsfeier für Waisenkinder in Hongkong, lehren Benachteiligten oder Einwanderern Englisch und Chinesisch und fahren nach Kambodscha, um Behinderten und Sex-Workern zu helfen. Wir hatten am Abend ein Treffen in dem alle Programme vorgestellt wurden und ich war die einzige Austauschstudentin. Das war relativ witzig, da ich dem hoch offziellen Part in dem der Head of Department und ein weiterer wichtiger Mann sprachen, gut folgen konnte, das es in Englisch war. Sobald die beiden jedoch weg waren, wurde ins Chinesische gewechselt und das Mädchen neben mir übersetzte für mich. Es war sehr beeindruckend, da sie die Fotos vom letzten Jahr gezeigt haben. Bei den Prostituierten wurden zum Beispiel niemals die Gesichter gezeigt, weil sie zu sehr befürchten mussten, umgebracht zu werden. Ich fand es fantastisch, dass soziales Engagement derart von der Universität aus gefördert wird.
Nach diesem Treffen gingen wir zum Pferderennen im Happey Valley. Meine Flatmate (also eine der Mädels mit der wir uns das Bad teilen) hatte gefragt, ob ich nicht mitkommen wolle, das es nicht nur Pferderennen so wie jeden Mittwoch ist, sondern zusätzlich auch noch Oktoberfest. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Auf dem Gelände traf ich auch sofort weitere Austauschstudenten von der PolyU (wir sind wirklich überall :-) ) Wir hatten mit dem Wetter sozusagen Glück und Pech, denn zwischenzeitlich fing es an richtig doll zu regnen, was jedoch den Vorteil mit sich brachte, dass der Racecourse nicht überfüllt war und wir nachdem der Regen wieder auffhörte richtig gute Plätze hatten. Ich selbst habe nicht gewettet und hätte auch kein Glück damit gehabt, weil alle auf die ich gesetzt hätte, haben verloren. Meine Flatmate meinte dann noch, dass sie gedacht hätte, dass die Pferde schneller rennen, weil sie kann sie immer noch sehen und deswegen kam ihr das dann doch ziemlich langsam vor. Naja da wusst ich nicht wirklich was ich antworten sollte :-) Es sind ja schließlich keine F1- Autos!!Stadtkind.^^
Happey Valley
Für den nächsten Tag war Typhoon Warnung und da es ein sehr starker Typhoon zu sein schien, fielen alle Kurse bis 18.00 aus. Wenn man die Folgen sieht, denke ich ist das auch eine gute Entscheidung. Ich habe auch ein kurzes Video gedreht, aber da war an sich alles schon vorbei und es war nochmal ein Schauer am nächsten Tag.

http://www.youtube.com/watch?v=xMX-S-UVv1U
Die Bushaltestelle am Tag danach

Das Studentenwohnheim wurde auch prepariert
Am nächsten Tag war der 62. National Day, der mit einem 30 minünitgen Feuerwerk gefeiert wurde. Anbei die Links zu den Videos.
http://www.youtube.com/watch?v=OMEsEs-tYMk
http://www.youtube.com/watch?v=Xwd9R7NSHbE

Freitag, 16. September 2011

4 Tage in Taipei - eine andere Stadt, ein anderes Flair, andere Eindrücke

Ein verlängertes Wochenende in Taipei liegt hinter mir und die Eindrücke waren einfach unglaublich. Wir waren eine durchmischte Gruppe von 4 Österreichern/rinnen, einem Kanadier, einem Australier, Maelys und Tiia (Finnland). Da jeder unterschiedlich Unterricht hatte, sind wir in verschiedenen Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten an- und abgereist.

Allgemein lässt sich festhalten, dass Taipei vollkommen anders ist als Hongkong, was ich wirklich nicht erwartet hatte. Die Menschen sind viel hilfsbereiter und irgendwie gelassener. In Hongkong pulsiert das Leben, es ist eine Metropole, die so gut wie nie schläft. Taipei hingegen ist viel ruhiger, durch die vielen Tempel in gewisser Weise spiritueller. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, aber das Flair der beiden Städte ist wirklich komplett verschieden. Und die Menschen sind ungluablich hilfsbereit, das ist uns schon am Flughafen aufgefallen, als wir gerade etwas ratlos in der Gegend herum standen, um zu überlegen, wie wir am Besten in die Stadt kommen.Wir wurden gleich angesprochen, ob man uns helfen könne, das wir doch den Bus nehmen sollten, weil wir bei der Zugverbindung umsteigen müssten und der Weg zur Busstation wurde uns auch gleich gewiesen. Tiia, die einen Tag später kam hatte die gleiche Erfahrung am Flughafen gemacht. Nachdem wir dann am Hauptbahnhof in der Stadtmitte angekommen waren, hatten wir Probleme unser Hostel zu finden. Denn die Straße war weder auf der Karte des Reiseführers, noch auf der Karte, die wir am Flughafen mitgenommen hatten zu finden. Die Taxifahrer konnten auch nichts mit der englischen Adresse, die wir uns aufgeschrieben hatten anfangen. (Später hatten wir die chinesische Bezeichnung auf einer Business Card, aber die Fahrer wussten trotzdem nie ganz genau, wo sie hinfahren sollten. Deswegen mussten wir uns nach jeder Taxifahrt immer wieder neu orientieren, wo wir  ausgestiegen waren und wo unser Hostel war.) Die Straße war einfach so klein, dass sie auf der Karte nicht zu finden war, also hatten wir versucht den Taxifahrer auf der Karte zu zeigen, wo er uns in etwa hinfahren sollte. Nachdem wir ein bisschen hin- und her gelaufen sind, haben wir es gefunden,ein wenig abenteurlich war das schon. :-)
Und dann ersteinmal ein kurzer Schock. Wir dachten dies wäre unser Hostel:
:-)

Als wir gerade dabei waren in dem Gebäude die Rezeption zu suchen, kam Cindy die Betreiberin des Hosetls bereits aus dem Nebengebäude und klärte uns auf. Sie war auch wieder so unglaublich nett, wir hatten in 3 verschiedenen Gruppen gebucht und ursprünglich 3 verschiedene Zimmer gehabt, sie hat uns aber gleich angeboten, dass wir auch ein 12- Personen Zimmer haben könnten,aber uns nur 9 Personen berechnet. Dann wurden wir auch gleich gefragt ob wir gern Musik hören möchten, sie hätte Computerlautsprecher. Das Angebot haben wir natürlich gerne angenommen.

Das Zebra Hostel mit Inhaberin Cindy
 Jetzt muss ich ein wenig ausholen... Judith (Österreicherin) kannte aus Österreich einen Taiwanesen, mit dem sie während eines Grillabends in Kontakt kam. Diesem Mann hat sie kurz vor unserer Abreise geschrieben, dass wir nach Taipei reisen und gefragt,ob man sich kurz treffen könnte. Er antwortete, dass er selbst leider nicht im Land sei, aber für uns etwas organisieren werde. (Etwas ist gut, aber dazu später mehr) Jedenfalls hatte er auch schon im Hostel angerufen und gefragt, ob wir schon da wären. Also war unsere erste Aktion den guten Mann zurückzurufen. Es stellte sich heraus, dass er für uns (ich möchte noch einmal betonen wir waren eine Gruppe von 9 Personen) eine Stadtrundfahrt organisiert hat, für die wir nichts bezahlen mussten, dann den Sohn eines Freundes gebeten hat uns durch die Stadt zu führen und uns mitteilte, dass eine gewisse Mrs. Cheng mit uns Abendbrot essen wird. Zum Anfang, war das relativ nervig, weil es bedeutete, dass fast jede halbe Stunde das Telefon klingelte und wir gefragt wurden ob es uns gut geht und wann wir uns dann genau treffen wollen. Als Europäerin würde ich sage, sie neigen ein wenig zur Übertreibung, aber es war eine einmalige Erfahrung.

Nachdem wir uns kurz aklimatisiert hatten, fragten wir Cindy nach einer Restaurantempfehlung und brachen zu einer kleinen Erkundungstour in die Stadt auf. Sogleich wurde uns ein weiterer Unterschied zu Hongkong bewusst - in Taipei gibt es unheimlich viele Scooter, die man in Hongkong überhaupt nicht sieht. Und die Taiwanesen laden auch wirklich alles auf diese Motorroller. Es gibt zum Beispiel auch viel mehr Hunde in Taipei als in Hongkong und die fahren auch egal wie groß auf den Rollern mit.

Ein voll beladenes Vehikel
Eine große Auswahl von Rollerhelmen :-)


Das Restaurant hatte keine englische Karte, also konnten wir nur das bestellen, was uns Cindy empfohlen hatte, ich glaube es war Honigente mit Reis. Das witzige war aber, dass die Kassiererin nach etwa 10 Minuten auf dem Computer in dem Restaurant anfing Farmville zu spielen und die Lautsprecher auf volle Lautstärke gedreht waren. Vieleicht war es auch ein anders Spiel, aber das war ein wenig befremdlich, die anderen Gäste haben sich jedoch nicht weiter daran gestört.

Wir besichtigten den Longshan Temple,es ist ein budhistischer, taoistischer Temple für mehrere Gottheiten.
"Nach einem Erdbebens im Jahre 1815 und einem Taifun von 1867 wurden Reparaturen durchgeführt. Um die Reparatur eines Termitenschadens zu ermöglichen, gab 1919 ein buddhistischer Mönch seine ganzen Ersparnisse, so dass der Tempel restauriert werden konnte. So blieb der Tempel bis heute erhalten. 1945 wurde seine Haupthalle zerstört, die Statue Kuan Yins wurde jedoch nicht beschädigt." (Wikipedia)





Ich liebe das Flair in den Tempeln, wenn es dunkel ist, glimmen sie durch das viele Gold in einem wundervollen Licht und überall ist der Geruch von Weihrauch. Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen, viel stärker mit der Religion leben, in dem Sinne das der Tempelbesuch stärker in das Altagsleben eingebettet ist. Beispielsweise habe ich viele mit Einkaufstüten gesehen, was ich so gedeutet hätte, dass sie nach dem Einkaufen kurz den Göttern preisen und danken, um dann nach Hause zurückzukehren. Auch hier wieder ein Beispiel der Nettigkeit der Menschen in Taiwan. Wir beobachteten einen Einheimischen, der kontinuierlich 2 Steine auf den Boden fallen ließ und wunderten uns, was dies bedeuten könnte. Kurz danach sprach uns ein Mann von sich aus an und fragte ob wir wissen wollten was hinter diesem Ritual steckt. Daraufhin erklärt er uns, dass es die 2 Mondsteine sind. Jeder hat eine glatte und eine gewölbte Seite und man kann mit Hilfe dieser Steine die Götter um Rat fragen. Man stellt der Gottheit also eine Frage und lässt dann die Steine 3 mal zu Boden fallen. Je nachdem wie sie fallen bedeutet es ja, nein oder es gibt keine genaue Aussage. Diese Praktik wird auch von Geschäftsleuten genutzt und wenn sich keine klare Aussage ablesen lässt, werden sie höchstwahrscheinlich, dieses Geschäft nicht durchführen oder den Vertrag nicht unterzeichnen.
Den Göttern werden ganz unterschiedliche Opfergaben gebracht, das Meiste ist Obst, aber wir haben auch eingepackte Fertignudelsuppen gesehen oder Michael hat erzählt, dass er in einem anderen Tempel eine Frau mit einem halben gegrillten Schwein herum laufen sah.

Anschließend sind wir auf den Night Market, den ich viel angenehmer als in Hongkong fand, weil es nicht nur unzählige Stände mit Klamotten, Elektronik und Taschen gab, sondern auch viele Ess-Stände. Ich wollte gern getrockneten  Fisch, der dann frisch gegrillt wird, probieren. Irgendwie war ich aber an diesen Abend viel zu satt. Leider haben wir es nicht mehr geschafft zu diesem Night Market zurückzukehren.



Den nächsten Tag haben wir uns den Jademarkt und den Flowermarkt angesehen. Dort trafen wir uns auch mit Andy dem Sohn des Freundes des Taiwanesen, den Judith aus Österreich kannte :D (kompliziert ich weiß)
Der Flower Markt

Er ging mit uns auf den Shilin Night Market, dort gab es vor allem Kleidung zu kaufen. Der Beginn war jedoch ein wenig wie ein Rummel mit Schieß- und Essensständen. Andy bestellte für uns Abendbrot - Shrimps- Oyester-Omlett und Tofu. Das war echt super mega lecker. Auch hier mussten wir wieder nichts bezahlen, weil Andy Geld von seinem Vater bekommen hatte, um uns die Stadt zu zeigen. Einfach amazing - ich kann es wirklich nur immer wieder sagen. Nachdem jeder dann ein wenig shoppen war, trafen wir uns wieder, um eine Eisspezialität zu probieren. Das Eis wird in Blöcken auf eine Drehmaschine geschraubt und dann werden ganz dünne Schichten abgeschliffen. Es gab 3 verschiedene Geschmacksrichtungen: Erdnuss, Moscha (japanischer grüner Tee) und geschmacklos. Bei dem geschmacklosen Eis, werden dann Früchte oder Schokolade als Topping serviert oder auch rohes Ei, das habe ich aber nicht probiert. Ich hatte mich für Moscha Eis mit roten Bohnen entschieden. Rote Bohnen (ich bin mir nicht ganz sicher ob es Kidney- Bohnen waren) werden hier süß und warm als Dessert gegessen. Den Abschluss dieses Abends bildete eine Riesenradfahrt und wir konnten Taipei bei Nacht von oben betrachten. Es war wirklich schön, aber leider besitzt Taipei keine schöne oder eindrucksvolle Skyline, die Stadt ist eher weit und niedrig und dann ragt aus dem Nichts der Taipei 101 in die Höhe.
copyright Judith, Tofu auf dem Shilin Night Market

copyright Judith, Auf ins Getümmel :-)
copyright Judith, Die Essensabteilung im Night Market
 
copyright Judith, Hauchdünn geschliffenes Erdnusseis


Der nächste Tag bestand aus einer halbtägigen Citytour.

Präsidentenpalast

Die Chiang Kai-shek-Gedächtnisstätte


Links ist das Opernhaus und rechts der Konzertsaal (vielleicht auch andersherum). Der Blick ist von der Chiang Kai-shek Gedächtnisstätte

Changing of the Guards (Dauer der Zeremonie: 15-20 Minuten)
Nach dieser Tour trafen wir uns mit Mrs. Cheng zum Dinner. Es war der Abend vor dem Moon-Festival und wir aßen typisch chinesich/taiwanesich. Frau Cheng sprach immer von chinesisch, aber ich hatte mich nie getraut zu fragen, wie sie zu der Situation Taiwans stehe. Auf alle Fälle mochte sie keine Hongkonger :-). Sie empfahl uns aufzupassen, weil Hongkonger wirklich alles essen. Das Dinner war so unglaublich gut, es gab bestimmt 15 verschiedene Gänge, die alle auf eine drehbare Scheibe in der Mitte des Tisches gestellt wurden und sich dann jeder etwas nehmen konnte. Der Hauptgang war Pekingente, von der erst die knusprig gebratene Haut in Soße getaucht und dann mit etwas grass-ähnlichem in einen kleinen Crep gewickelt wurde. Einfach nur köstlich. Auch für dieses Essen mussten wir wieder nichts bezahlen, langsam wurde es echt unangenehm, weil wir  nicht wussten, wie wir unsere Dankbarkeit ausdrücken könnten. Als Dessert gab es dann noch den traditionellen Moon Cake, der anlässlich dieses Festes sowohl in Hongkong, Taiwan und China gegessen wird. Der chinesische ist jedoch etwas leichter als der Hongkonger, der wirklich sehr schwer und füllend ist. Die traditionelle Geschmacksrichtung sind rote Bohnen mit einem Entenei in der Mitte, das den Mond symbolisieren soll. (Meine Zimmernachbarin hat für Yunji(my roomate) und mich auch einen Moon cake aufgehoben, voll lieb :-) )

copyright Judith, glorious dinner
Nachdem wir alle soviel gegessen hatten,wollten wir Mädels gern zum Karaoke gehen, die Männer waren von der Idee jedoch nicht sehr begeistert, wir konnten sie jedoch überzeugen. Und es hat niemand bereut :-) Erst wollten wir nur 1 Stunde bleiben, am Ende gingen wir jedoch 3 Stunden später wieder aus dem Gebäude, das auch gut ein Hotel hätte sein können. Es gab ca. 15 Stockwerke und jede Gruppe bekam ihren privaten Raum. Das hat wirklich so viel Spaß gemacht. :-)

 Am Montag  fuhren wir abends nach Tamsui . Man konnte mit der Metro bis zur Endstation fahren und dann zu einer Fishermans Wharf  fahren/laufen. Da die Schlange für die Fähre uns unendlich lang erschien, entschieden wir uns für den Fußmarsch, zumal wir ohnehin ein auf dem Weg liegendes Fort besichtigen wollten. Das Fort diente dem ehmaligen britischen Councellor als Wohn- und Arbeitsstätte. Der Councellor hatte die Aufgabe die britischen Geschäftsleute in einem fremden Land zu vertreten und sich für ihre Rechte einzusetzen. Interessanterweise wurden die Urteile, in denen britischen Geschäftsmenschen involviert waren, früher nicht an Hand des lokalen Rechts, sondern auf Grund eines speziellen Councellor Rechts gesprochen. Auf dem Gelände befindet sich auch die erste englische Universität Taiwans sowie ein College.
Das Moon Festival (so heißt es in Taiwan und in Hongkong Mid-Autumn Fetival) ist ein Familienfeiertag, an dem man sich abends zusammensetzt, beobachtet wie die Sonne untergeht und anschließend den Mondschein genießt und genau dafür waren wir auch nach Tamsui gefahren :-) Wir waren ein klein wenig zu spät und konnten, nachdem wir an der Fisherman's Wharf angekommen waren gerade noch die letzten Sonnenstrahlen sehen. Aber die Atmosphäre dort war wirklich unglaublich schön, weil es entlang der Promenade viele verschiedene Restaurants gab, in denen Livemusik gespielt wurde. Auch die Beleuchtung trug zu einer stilvollen Atmospähre bei. Später am Abend konnten wir dann vereinzelt verschiedene kleinere Feuerwerke bewundern.

Tamsui Oxford University College

copyright Judith, Sonnenuntergang kurz vor dem Erreichen der Fisherman's Wharf
  
copyright Judith, Fisherman's Wharf bei Nacht
Am letzten Tag besichtigten wir dann den Taipei 101, der bis 2007 der höchste Wolkenkratzer der Welt war. Es gibt dort aber immer noch einige Weltrekorde, wie zum Beispiel den schnellsten Fahrstuhl der Welt, der uns mit einer Geschwindikeit von 60km/h in den 89 Stock zur Aussichtsplattform befördert hat. Während der Fahrt wurde das Licht im Fahrstuhl gedimmt und ein Sternenhimmel an der Decke mit kleinen LED- Leuchten nachempfunden. Weiterhin gibt es den höchsten Briefkasten der Welt, das größte Tilgerpendel (eine 660 Tonnen schwere Kugel, die die Windbewegung ausgleichen soll) und den höchsten Coral gemstone der Welt. Denn in dem immernoch höchsten Bürogebäude der Welt, gibt es nicht nur eine Besucherterasse und Restaurants wie man das sonst von hohen Gebäuden kennt, sondern auch eine Schmuckaustellung, sowie einen großen Verkaufsraum für Korallen-Schmuck. Dort wurde darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied zwischen gemstone(diese stehen nicht unter Naturschutz) und Korallen gibt(stehen unter Naturschutz). Im Deutschen gibt es aber dafür anscheinend keine passende Übersetzung.

Der Taipei 101 
Der höchste Briefkasten der Welt