Freitag, 16. September 2011

4 Tage in Taipei - eine andere Stadt, ein anderes Flair, andere Eindrücke

Ein verlängertes Wochenende in Taipei liegt hinter mir und die Eindrücke waren einfach unglaublich. Wir waren eine durchmischte Gruppe von 4 Österreichern/rinnen, einem Kanadier, einem Australier, Maelys und Tiia (Finnland). Da jeder unterschiedlich Unterricht hatte, sind wir in verschiedenen Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten an- und abgereist.

Allgemein lässt sich festhalten, dass Taipei vollkommen anders ist als Hongkong, was ich wirklich nicht erwartet hatte. Die Menschen sind viel hilfsbereiter und irgendwie gelassener. In Hongkong pulsiert das Leben, es ist eine Metropole, die so gut wie nie schläft. Taipei hingegen ist viel ruhiger, durch die vielen Tempel in gewisser Weise spiritueller. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, aber das Flair der beiden Städte ist wirklich komplett verschieden. Und die Menschen sind ungluablich hilfsbereit, das ist uns schon am Flughafen aufgefallen, als wir gerade etwas ratlos in der Gegend herum standen, um zu überlegen, wie wir am Besten in die Stadt kommen.Wir wurden gleich angesprochen, ob man uns helfen könne, das wir doch den Bus nehmen sollten, weil wir bei der Zugverbindung umsteigen müssten und der Weg zur Busstation wurde uns auch gleich gewiesen. Tiia, die einen Tag später kam hatte die gleiche Erfahrung am Flughafen gemacht. Nachdem wir dann am Hauptbahnhof in der Stadtmitte angekommen waren, hatten wir Probleme unser Hostel zu finden. Denn die Straße war weder auf der Karte des Reiseführers, noch auf der Karte, die wir am Flughafen mitgenommen hatten zu finden. Die Taxifahrer konnten auch nichts mit der englischen Adresse, die wir uns aufgeschrieben hatten anfangen. (Später hatten wir die chinesische Bezeichnung auf einer Business Card, aber die Fahrer wussten trotzdem nie ganz genau, wo sie hinfahren sollten. Deswegen mussten wir uns nach jeder Taxifahrt immer wieder neu orientieren, wo wir  ausgestiegen waren und wo unser Hostel war.) Die Straße war einfach so klein, dass sie auf der Karte nicht zu finden war, also hatten wir versucht den Taxifahrer auf der Karte zu zeigen, wo er uns in etwa hinfahren sollte. Nachdem wir ein bisschen hin- und her gelaufen sind, haben wir es gefunden,ein wenig abenteurlich war das schon. :-)
Und dann ersteinmal ein kurzer Schock. Wir dachten dies wäre unser Hostel:
:-)

Als wir gerade dabei waren in dem Gebäude die Rezeption zu suchen, kam Cindy die Betreiberin des Hosetls bereits aus dem Nebengebäude und klärte uns auf. Sie war auch wieder so unglaublich nett, wir hatten in 3 verschiedenen Gruppen gebucht und ursprünglich 3 verschiedene Zimmer gehabt, sie hat uns aber gleich angeboten, dass wir auch ein 12- Personen Zimmer haben könnten,aber uns nur 9 Personen berechnet. Dann wurden wir auch gleich gefragt ob wir gern Musik hören möchten, sie hätte Computerlautsprecher. Das Angebot haben wir natürlich gerne angenommen.

Das Zebra Hostel mit Inhaberin Cindy
 Jetzt muss ich ein wenig ausholen... Judith (Österreicherin) kannte aus Österreich einen Taiwanesen, mit dem sie während eines Grillabends in Kontakt kam. Diesem Mann hat sie kurz vor unserer Abreise geschrieben, dass wir nach Taipei reisen und gefragt,ob man sich kurz treffen könnte. Er antwortete, dass er selbst leider nicht im Land sei, aber für uns etwas organisieren werde. (Etwas ist gut, aber dazu später mehr) Jedenfalls hatte er auch schon im Hostel angerufen und gefragt, ob wir schon da wären. Also war unsere erste Aktion den guten Mann zurückzurufen. Es stellte sich heraus, dass er für uns (ich möchte noch einmal betonen wir waren eine Gruppe von 9 Personen) eine Stadtrundfahrt organisiert hat, für die wir nichts bezahlen mussten, dann den Sohn eines Freundes gebeten hat uns durch die Stadt zu führen und uns mitteilte, dass eine gewisse Mrs. Cheng mit uns Abendbrot essen wird. Zum Anfang, war das relativ nervig, weil es bedeutete, dass fast jede halbe Stunde das Telefon klingelte und wir gefragt wurden ob es uns gut geht und wann wir uns dann genau treffen wollen. Als Europäerin würde ich sage, sie neigen ein wenig zur Übertreibung, aber es war eine einmalige Erfahrung.

Nachdem wir uns kurz aklimatisiert hatten, fragten wir Cindy nach einer Restaurantempfehlung und brachen zu einer kleinen Erkundungstour in die Stadt auf. Sogleich wurde uns ein weiterer Unterschied zu Hongkong bewusst - in Taipei gibt es unheimlich viele Scooter, die man in Hongkong überhaupt nicht sieht. Und die Taiwanesen laden auch wirklich alles auf diese Motorroller. Es gibt zum Beispiel auch viel mehr Hunde in Taipei als in Hongkong und die fahren auch egal wie groß auf den Rollern mit.

Ein voll beladenes Vehikel
Eine große Auswahl von Rollerhelmen :-)


Das Restaurant hatte keine englische Karte, also konnten wir nur das bestellen, was uns Cindy empfohlen hatte, ich glaube es war Honigente mit Reis. Das witzige war aber, dass die Kassiererin nach etwa 10 Minuten auf dem Computer in dem Restaurant anfing Farmville zu spielen und die Lautsprecher auf volle Lautstärke gedreht waren. Vieleicht war es auch ein anders Spiel, aber das war ein wenig befremdlich, die anderen Gäste haben sich jedoch nicht weiter daran gestört.

Wir besichtigten den Longshan Temple,es ist ein budhistischer, taoistischer Temple für mehrere Gottheiten.
"Nach einem Erdbebens im Jahre 1815 und einem Taifun von 1867 wurden Reparaturen durchgeführt. Um die Reparatur eines Termitenschadens zu ermöglichen, gab 1919 ein buddhistischer Mönch seine ganzen Ersparnisse, so dass der Tempel restauriert werden konnte. So blieb der Tempel bis heute erhalten. 1945 wurde seine Haupthalle zerstört, die Statue Kuan Yins wurde jedoch nicht beschädigt." (Wikipedia)





Ich liebe das Flair in den Tempeln, wenn es dunkel ist, glimmen sie durch das viele Gold in einem wundervollen Licht und überall ist der Geruch von Weihrauch. Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen, viel stärker mit der Religion leben, in dem Sinne das der Tempelbesuch stärker in das Altagsleben eingebettet ist. Beispielsweise habe ich viele mit Einkaufstüten gesehen, was ich so gedeutet hätte, dass sie nach dem Einkaufen kurz den Göttern preisen und danken, um dann nach Hause zurückzukehren. Auch hier wieder ein Beispiel der Nettigkeit der Menschen in Taiwan. Wir beobachteten einen Einheimischen, der kontinuierlich 2 Steine auf den Boden fallen ließ und wunderten uns, was dies bedeuten könnte. Kurz danach sprach uns ein Mann von sich aus an und fragte ob wir wissen wollten was hinter diesem Ritual steckt. Daraufhin erklärt er uns, dass es die 2 Mondsteine sind. Jeder hat eine glatte und eine gewölbte Seite und man kann mit Hilfe dieser Steine die Götter um Rat fragen. Man stellt der Gottheit also eine Frage und lässt dann die Steine 3 mal zu Boden fallen. Je nachdem wie sie fallen bedeutet es ja, nein oder es gibt keine genaue Aussage. Diese Praktik wird auch von Geschäftsleuten genutzt und wenn sich keine klare Aussage ablesen lässt, werden sie höchstwahrscheinlich, dieses Geschäft nicht durchführen oder den Vertrag nicht unterzeichnen.
Den Göttern werden ganz unterschiedliche Opfergaben gebracht, das Meiste ist Obst, aber wir haben auch eingepackte Fertignudelsuppen gesehen oder Michael hat erzählt, dass er in einem anderen Tempel eine Frau mit einem halben gegrillten Schwein herum laufen sah.

Anschließend sind wir auf den Night Market, den ich viel angenehmer als in Hongkong fand, weil es nicht nur unzählige Stände mit Klamotten, Elektronik und Taschen gab, sondern auch viele Ess-Stände. Ich wollte gern getrockneten  Fisch, der dann frisch gegrillt wird, probieren. Irgendwie war ich aber an diesen Abend viel zu satt. Leider haben wir es nicht mehr geschafft zu diesem Night Market zurückzukehren.



Den nächsten Tag haben wir uns den Jademarkt und den Flowermarkt angesehen. Dort trafen wir uns auch mit Andy dem Sohn des Freundes des Taiwanesen, den Judith aus Österreich kannte :D (kompliziert ich weiß)
Der Flower Markt

Er ging mit uns auf den Shilin Night Market, dort gab es vor allem Kleidung zu kaufen. Der Beginn war jedoch ein wenig wie ein Rummel mit Schieß- und Essensständen. Andy bestellte für uns Abendbrot - Shrimps- Oyester-Omlett und Tofu. Das war echt super mega lecker. Auch hier mussten wir wieder nichts bezahlen, weil Andy Geld von seinem Vater bekommen hatte, um uns die Stadt zu zeigen. Einfach amazing - ich kann es wirklich nur immer wieder sagen. Nachdem jeder dann ein wenig shoppen war, trafen wir uns wieder, um eine Eisspezialität zu probieren. Das Eis wird in Blöcken auf eine Drehmaschine geschraubt und dann werden ganz dünne Schichten abgeschliffen. Es gab 3 verschiedene Geschmacksrichtungen: Erdnuss, Moscha (japanischer grüner Tee) und geschmacklos. Bei dem geschmacklosen Eis, werden dann Früchte oder Schokolade als Topping serviert oder auch rohes Ei, das habe ich aber nicht probiert. Ich hatte mich für Moscha Eis mit roten Bohnen entschieden. Rote Bohnen (ich bin mir nicht ganz sicher ob es Kidney- Bohnen waren) werden hier süß und warm als Dessert gegessen. Den Abschluss dieses Abends bildete eine Riesenradfahrt und wir konnten Taipei bei Nacht von oben betrachten. Es war wirklich schön, aber leider besitzt Taipei keine schöne oder eindrucksvolle Skyline, die Stadt ist eher weit und niedrig und dann ragt aus dem Nichts der Taipei 101 in die Höhe.
copyright Judith, Tofu auf dem Shilin Night Market

copyright Judith, Auf ins Getümmel :-)
copyright Judith, Die Essensabteilung im Night Market
 
copyright Judith, Hauchdünn geschliffenes Erdnusseis


Der nächste Tag bestand aus einer halbtägigen Citytour.

Präsidentenpalast

Die Chiang Kai-shek-Gedächtnisstätte


Links ist das Opernhaus und rechts der Konzertsaal (vielleicht auch andersherum). Der Blick ist von der Chiang Kai-shek Gedächtnisstätte

Changing of the Guards (Dauer der Zeremonie: 15-20 Minuten)
Nach dieser Tour trafen wir uns mit Mrs. Cheng zum Dinner. Es war der Abend vor dem Moon-Festival und wir aßen typisch chinesich/taiwanesich. Frau Cheng sprach immer von chinesisch, aber ich hatte mich nie getraut zu fragen, wie sie zu der Situation Taiwans stehe. Auf alle Fälle mochte sie keine Hongkonger :-). Sie empfahl uns aufzupassen, weil Hongkonger wirklich alles essen. Das Dinner war so unglaublich gut, es gab bestimmt 15 verschiedene Gänge, die alle auf eine drehbare Scheibe in der Mitte des Tisches gestellt wurden und sich dann jeder etwas nehmen konnte. Der Hauptgang war Pekingente, von der erst die knusprig gebratene Haut in Soße getaucht und dann mit etwas grass-ähnlichem in einen kleinen Crep gewickelt wurde. Einfach nur köstlich. Auch für dieses Essen mussten wir wieder nichts bezahlen, langsam wurde es echt unangenehm, weil wir  nicht wussten, wie wir unsere Dankbarkeit ausdrücken könnten. Als Dessert gab es dann noch den traditionellen Moon Cake, der anlässlich dieses Festes sowohl in Hongkong, Taiwan und China gegessen wird. Der chinesische ist jedoch etwas leichter als der Hongkonger, der wirklich sehr schwer und füllend ist. Die traditionelle Geschmacksrichtung sind rote Bohnen mit einem Entenei in der Mitte, das den Mond symbolisieren soll. (Meine Zimmernachbarin hat für Yunji(my roomate) und mich auch einen Moon cake aufgehoben, voll lieb :-) )

copyright Judith, glorious dinner
Nachdem wir alle soviel gegessen hatten,wollten wir Mädels gern zum Karaoke gehen, die Männer waren von der Idee jedoch nicht sehr begeistert, wir konnten sie jedoch überzeugen. Und es hat niemand bereut :-) Erst wollten wir nur 1 Stunde bleiben, am Ende gingen wir jedoch 3 Stunden später wieder aus dem Gebäude, das auch gut ein Hotel hätte sein können. Es gab ca. 15 Stockwerke und jede Gruppe bekam ihren privaten Raum. Das hat wirklich so viel Spaß gemacht. :-)

 Am Montag  fuhren wir abends nach Tamsui . Man konnte mit der Metro bis zur Endstation fahren und dann zu einer Fishermans Wharf  fahren/laufen. Da die Schlange für die Fähre uns unendlich lang erschien, entschieden wir uns für den Fußmarsch, zumal wir ohnehin ein auf dem Weg liegendes Fort besichtigen wollten. Das Fort diente dem ehmaligen britischen Councellor als Wohn- und Arbeitsstätte. Der Councellor hatte die Aufgabe die britischen Geschäftsleute in einem fremden Land zu vertreten und sich für ihre Rechte einzusetzen. Interessanterweise wurden die Urteile, in denen britischen Geschäftsmenschen involviert waren, früher nicht an Hand des lokalen Rechts, sondern auf Grund eines speziellen Councellor Rechts gesprochen. Auf dem Gelände befindet sich auch die erste englische Universität Taiwans sowie ein College.
Das Moon Festival (so heißt es in Taiwan und in Hongkong Mid-Autumn Fetival) ist ein Familienfeiertag, an dem man sich abends zusammensetzt, beobachtet wie die Sonne untergeht und anschließend den Mondschein genießt und genau dafür waren wir auch nach Tamsui gefahren :-) Wir waren ein klein wenig zu spät und konnten, nachdem wir an der Fisherman's Wharf angekommen waren gerade noch die letzten Sonnenstrahlen sehen. Aber die Atmosphäre dort war wirklich unglaublich schön, weil es entlang der Promenade viele verschiedene Restaurants gab, in denen Livemusik gespielt wurde. Auch die Beleuchtung trug zu einer stilvollen Atmospähre bei. Später am Abend konnten wir dann vereinzelt verschiedene kleinere Feuerwerke bewundern.

Tamsui Oxford University College

copyright Judith, Sonnenuntergang kurz vor dem Erreichen der Fisherman's Wharf
  
copyright Judith, Fisherman's Wharf bei Nacht
Am letzten Tag besichtigten wir dann den Taipei 101, der bis 2007 der höchste Wolkenkratzer der Welt war. Es gibt dort aber immer noch einige Weltrekorde, wie zum Beispiel den schnellsten Fahrstuhl der Welt, der uns mit einer Geschwindikeit von 60km/h in den 89 Stock zur Aussichtsplattform befördert hat. Während der Fahrt wurde das Licht im Fahrstuhl gedimmt und ein Sternenhimmel an der Decke mit kleinen LED- Leuchten nachempfunden. Weiterhin gibt es den höchsten Briefkasten der Welt, das größte Tilgerpendel (eine 660 Tonnen schwere Kugel, die die Windbewegung ausgleichen soll) und den höchsten Coral gemstone der Welt. Denn in dem immernoch höchsten Bürogebäude der Welt, gibt es nicht nur eine Besucherterasse und Restaurants wie man das sonst von hohen Gebäuden kennt, sondern auch eine Schmuckaustellung, sowie einen großen Verkaufsraum für Korallen-Schmuck. Dort wurde darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied zwischen gemstone(diese stehen nicht unter Naturschutz) und Korallen gibt(stehen unter Naturschutz). Im Deutschen gibt es aber dafür anscheinend keine passende Übersetzung.

Der Taipei 101 
Der höchste Briefkasten der Welt


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