Allgemein lässt sich festhalten, dass Taipei vollkommen anders ist als Hongkong, was ich wirklich nicht erwartet hatte. Die Menschen sind viel hilfsbereiter und irgendwie gelassener. In Hongkong pulsiert das Leben, es ist eine Metropole, die so gut wie nie schläft. Taipei hingegen ist viel ruhiger, durch die vielen Tempel in gewisser Weise spiritueller. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, aber das Flair der beiden Städte ist wirklich komplett verschieden. Und die Menschen sind ungluablich hilfsbereit, das ist uns schon am Flughafen aufgefallen, als wir gerade etwas ratlos in der Gegend herum standen, um zu überlegen, wie wir am Besten in die Stadt kommen.Wir wurden gleich angesprochen, ob man uns helfen könne, das wir doch den Bus nehmen sollten, weil wir bei der Zugverbindung umsteigen müssten und der Weg zur Busstation wurde uns auch gleich gewiesen. Tiia, die einen Tag später kam hatte die gleiche Erfahrung am Flughafen gemacht. Nachdem wir dann am Hauptbahnhof in der Stadtmitte angekommen waren, hatten wir Probleme unser Hostel zu finden. Denn die Straße war weder auf der Karte des Reiseführers, noch auf der Karte, die wir am Flughafen mitgenommen hatten zu finden. Die Taxifahrer konnten auch nichts mit der englischen Adresse, die wir uns aufgeschrieben hatten anfangen. (Später hatten wir die chinesische Bezeichnung auf einer Business Card, aber die Fahrer wussten trotzdem nie ganz genau, wo sie hinfahren sollten. Deswegen mussten wir uns nach jeder Taxifahrt immer wieder neu orientieren, wo wir ausgestiegen waren und wo unser Hostel war.) Die Straße war einfach so klein, dass sie auf der Karte nicht zu finden war, also hatten wir versucht den Taxifahrer auf der Karte zu zeigen, wo er uns in etwa hinfahren sollte. Nachdem wir ein bisschen hin- und her gelaufen sind, haben wir es gefunden,ein wenig abenteurlich war das schon. :-)
Und dann ersteinmal ein kurzer Schock. Wir dachten dies wäre unser Hostel:
:-)
Als wir gerade dabei waren in dem Gebäude die Rezeption zu suchen, kam Cindy die Betreiberin des Hosetls bereits aus dem Nebengebäude und klärte uns auf. Sie war auch wieder so unglaublich nett, wir hatten in 3 verschiedenen Gruppen gebucht und ursprünglich 3 verschiedene Zimmer gehabt, sie hat uns aber gleich angeboten, dass wir auch ein 12- Personen Zimmer haben könnten,aber uns nur 9 Personen berechnet. Dann wurden wir auch gleich gefragt ob wir gern Musik hören möchten, sie hätte Computerlautsprecher. Das Angebot haben wir natürlich gerne angenommen.
| Das Zebra Hostel mit Inhaberin Cindy |
Nachdem wir uns kurz aklimatisiert hatten, fragten wir Cindy nach einer Restaurantempfehlung und brachen zu einer kleinen Erkundungstour in die Stadt auf. Sogleich wurde uns ein weiterer Unterschied zu Hongkong bewusst - in Taipei gibt es unheimlich viele Scooter, die man in Hongkong überhaupt nicht sieht. Und die Taiwanesen laden auch wirklich alles auf diese Motorroller. Es gibt zum Beispiel auch viel mehr Hunde in Taipei als in Hongkong und die fahren auch egal wie groß auf den Rollern mit.
| Ein voll beladenes Vehikel |
| Eine große Auswahl von Rollerhelmen :-) |
Das Restaurant hatte keine englische Karte, also konnten wir nur das bestellen, was uns Cindy empfohlen hatte, ich glaube es war Honigente mit Reis. Das witzige war aber, dass die Kassiererin nach etwa 10 Minuten auf dem Computer in dem Restaurant anfing Farmville zu spielen und die Lautsprecher auf volle Lautstärke gedreht waren. Vieleicht war es auch ein anders Spiel, aber das war ein wenig befremdlich, die anderen Gäste haben sich jedoch nicht weiter daran gestört.
Wir besichtigten den Longshan Temple,es ist ein budhistischer, taoistischer Temple für mehrere Gottheiten.
"Nach einem Erdbebens im Jahre 1815 und einem Taifun von 1867 wurden Reparaturen durchgeführt. Um die Reparatur eines Termitenschadens zu ermöglichen, gab 1919 ein buddhistischer Mönch seine ganzen Ersparnisse, so dass der Tempel restauriert werden konnte. So blieb der Tempel bis heute erhalten. 1945 wurde seine Haupthalle zerstört, die Statue Kuan Yins wurde jedoch nicht beschädigt." (Wikipedia)
Ich liebe das Flair in den Tempeln, wenn es dunkel ist, glimmen sie durch das viele Gold in einem wundervollen Licht und überall ist der Geruch von Weihrauch. Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen, viel stärker mit der Religion leben, in dem Sinne das der Tempelbesuch stärker in das Altagsleben eingebettet ist. Beispielsweise habe ich viele mit Einkaufstüten gesehen, was ich so gedeutet hätte, dass sie nach dem Einkaufen kurz den Göttern preisen und danken, um dann nach Hause zurückzukehren. Auch hier wieder ein Beispiel der Nettigkeit der Menschen in Taiwan. Wir beobachteten einen Einheimischen, der kontinuierlich 2 Steine auf den Boden fallen ließ und wunderten uns, was dies bedeuten könnte. Kurz danach sprach uns ein Mann von sich aus an und fragte ob wir wissen wollten was hinter diesem Ritual steckt. Daraufhin erklärt er uns, dass es die 2 Mondsteine sind. Jeder hat eine glatte und eine gewölbte Seite und man kann mit Hilfe dieser Steine die Götter um Rat fragen. Man stellt der Gottheit also eine Frage und lässt dann die Steine 3 mal zu Boden fallen. Je nachdem wie sie fallen bedeutet es ja, nein oder es gibt keine genaue Aussage. Diese Praktik wird auch von Geschäftsleuten genutzt und wenn sich keine klare Aussage ablesen lässt, werden sie höchstwahrscheinlich, dieses Geschäft nicht durchführen oder den Vertrag nicht unterzeichnen.
Den Göttern werden ganz unterschiedliche Opfergaben gebracht, das Meiste ist Obst, aber wir haben auch eingepackte Fertignudelsuppen gesehen oder Michael hat erzählt, dass er in einem anderen Tempel eine Frau mit einem halben gegrillten Schwein herum laufen sah.
Anschließend sind wir auf den Night Market, den ich viel angenehmer als in Hongkong fand, weil es nicht nur unzählige Stände mit Klamotten, Elektronik und Taschen gab, sondern auch viele Ess-Stände. Ich wollte gern getrockneten Fisch, der dann frisch gegrillt wird, probieren. Irgendwie war ich aber an diesen Abend viel zu satt. Leider haben wir es nicht mehr geschafft zu diesem Night Market zurückzukehren.
Den nächsten Tag haben wir uns den Jademarkt und den Flowermarkt angesehen. Dort trafen wir uns auch mit Andy dem Sohn des Freundes des Taiwanesen, den Judith aus Österreich kannte :D (kompliziert ich weiß)
| copyright Judith, Tofu auf dem Shilin Night Market |
| copyright Judith, Auf ins Getümmel :-) |
| copyright Judith, Die Essensabteilung im Night Market |
| copyright Judith, Hauchdünn geschliffenes Erdnusseis |
Der nächste Tag bestand aus einer halbtägigen Citytour.
| Präsidentenpalast |
Die Chiang Kai-shek-Gedächtnisstätte |
| Links ist das Opernhaus und rechts der Konzertsaal (vielleicht auch andersherum). Der Blick ist von der Chiang Kai-shek Gedächtnisstätte |
| Changing of the Guards (Dauer der Zeremonie: 15-20 Minuten) |
| copyright Judith, glorious dinner |
Am Montag fuhren wir abends nach Tamsui . Man konnte mit der Metro bis zur Endstation fahren und dann zu einer Fishermans Wharf fahren/laufen. Da die Schlange für die Fähre uns unendlich lang erschien, entschieden wir uns für den Fußmarsch, zumal wir ohnehin ein auf dem Weg liegendes Fort besichtigen wollten. Das Fort diente dem ehmaligen britischen Councellor als Wohn- und Arbeitsstätte. Der Councellor hatte die Aufgabe die britischen Geschäftsleute in einem fremden Land zu vertreten und sich für ihre Rechte einzusetzen. Interessanterweise wurden die Urteile, in denen britischen Geschäftsmenschen involviert waren, früher nicht an Hand des lokalen Rechts, sondern auf Grund eines speziellen Councellor Rechts gesprochen. Auf dem Gelände befindet sich auch die erste englische Universität Taiwans sowie ein College.
Das Moon Festival (so heißt es in Taiwan und in Hongkong Mid-Autumn Fetival) ist ein Familienfeiertag, an dem man sich abends zusammensetzt, beobachtet wie die Sonne untergeht und anschließend den Mondschein genießt und genau dafür waren wir auch nach Tamsui gefahren :-) Wir waren ein klein wenig zu spät und konnten, nachdem wir an der Fisherman's Wharf angekommen waren gerade noch die letzten Sonnenstrahlen sehen. Aber die Atmosphäre dort war wirklich unglaublich schön, weil es entlang der Promenade viele verschiedene Restaurants gab, in denen Livemusik gespielt wurde. Auch die Beleuchtung trug zu einer stilvollen Atmospähre bei. Später am Abend konnten wir dann vereinzelt verschiedene kleinere Feuerwerke bewundern.
| Tamsui Oxford University College |
| copyright Judith, Sonnenuntergang kurz vor dem Erreichen der Fisherman's Wharf |
| copyright Judith, Fisherman's Wharf bei Nacht |


