Montag, 9. Januar 2012

Eine Auszeit in Malaysia - Tag 4

Ich hatte mir den Wecker auf 7.30Uhr gestellt, was aber vollkommen überflüssig war, da um 7.00 Uhr schon der halbe Schlafsaal aufgestanden ist und ich somit unweigerlich auch wach war. Nach einem guten Frühstück mit Rührei, viel geriebenem guten Käse (ich habe seit einer Ewigkeit keinen Käse mehr gegessen ) und Toast sowie einer Tasse Tee mit Milch, machte ich ein paar Fotos von dem Guesthouse und wartete auf meine Tour. Und wie fast immer, war auch wieder ein Deutscher dabei :-) Letztendlich unterhielt ich mich jedoch mehr mit 2 Mädels, die in Hongkong lebten. Die eine kommt ursprünglich aus Bahrain (deren Hauptstadt ist Manama, hihi, Manamana babdi didi, ... :D) und arbeitet in HKG für JPMorgan. Sie ist jetzt seit 4 Jahren in Hongkong und hat schon an unzähligen Orten gearbeitet.In 4 Monaten wird sie nach New York ziehen, weil sie genug von Hongkong hat. Die Andere macht in Hongkong ihren Master, kommt aber ursprünglich aus den Niederlanden und hat auch schon einen Exchange in Singapore gemacht.
Ich muss kurz unterbrechen, denn ich bin gerade voll baff. Ich sitze in dem Common Room des Hostels und erlebe gerade meinen ersten Streit zwischen zwei Asiaten. Ich habe keine Ahnung um was es geht, denn sie wechseln kontinuierlich zwischen Englisch und einer anderen Sprache, aber es ist wirklich das erste Mal in diesen gesamten vier Monaten, dass ich zwei Asiaten sich in der Öffentlichkeit streiten sehe.
Ok, zurück zu meiner Tour. Neben den beiden Mädels aus Hongkong gab es noch ein Pärchen, dass ebenfalls aus den Niederlanden kommt und anlässlich des 30. Geburtstages der Frau eine achtwöchige Reise durch Asien unternimmt.
Als erstes sind wir auf die Teeplantage gefahren. Der große Vorteil des Teeanbaus ist, dass es ein Ganzjahresgeschäft ist und nicht nur saisonal betrieben wird. Die Arbeiter auf den Plantagen sind aber alles keine Einheimischen, sondern sie leben hier für 3 Jahre und dürfen erst danach wieder zurück in ihr Heimatland um ihre Familie zu besuchen. Wenn beide Seiten es dann möchten können sie die Anstellung dann um weitere 3 Jahre verlängern. Die Mutter unseres Guides hat früher auch auf den Plantagen gearbeitet. Sie gehört aber zu der letzten Generation der einheimischen Arbeiterinnen.
Um die Arbeit zu erleichtern wird, die Teepflanze auf der Höhe eines Busches gehalten und alle 3 Jahre gestutzt. Würde dies nicht passieren, wächst die Pflanze baumgroß und die jungen Triebe wären nur noch mit Leitern erreichbar. Ebenfalls interessant war, dass die Pflanzen 82 Jahre alt sind und bis zu 150 Jahre alt werden können. In Festlandchina gibt es auch Pflanzen, die schon 300 Jahre alt sind. :O

Die Teeplantage

Teeernte mit dem Mäher

Leider war das Wetter nicht so schön, denn es regnete den ganzen Tag. Die Tour beinhaltete jedoch auch einen kurzen Gang durch den "Feuchtwald" oder Regenwald und was wäre denn der Regenwald ohne Regen? Die moosbedeckten dünnen Äste der Bäume sahen aus wie Spinnenfüße. Die wild wachsenden Orchideen waren ganz klein, aber unglaublich schön und die faustgroßen fleischfressenden Pflanzen hingen im Dickicht und warteten, dass Insekten in ihre Flüssigkeit rutschen werden.
Des Weiteren gab unser Guide uns eine kleine Einführung in die lokale Heilkräuterlehre und zeigte uns Blätter, die in der berühmten Tigersalbe enthalten ist, andere die Blutungen stillen und wilden Zimt. Falls wir irgendwann mal verloren gehen sollten und uns wirklich kalt ist ( und hier oben ist es wirklich kalt) dann sollen wir 10- 15 Knospen eines bestimmten Farnes essen, den sogenannten Fischgrätenfarn (der heißt so weil, dreimal dürft ihr raten, seine Blätter so ähnlich aussehen wie das Skelett eines Fisches) Die Knospen würden zwar unglaublich bitter schmecken, jedoch wärmen sie von innen. Wenn man jedoch zu viele von ihnen isst, überhitzt man und bekommt Nasenbluten. Alle Pflanzen hier oben ( ich befinde mich gerade auf 2000m über dem Meeresspiegel) enthalten Tanin. Aus diesem Grund gibt es hier auch keine Tiere, weil Tanin für sie giftig ist. Wir Menschen haben damit aber kein Problem.


Die nächste Station war die Teefabrik, in der wir die Teeproduktion beobachten konnten. Ein Mitarbeiter, war etwas unaufmerksam und hat den einen Sack falsch eingesetzt, sodass die Hälfte des Tees langsam aber kontinuierlich auf dem Boden landete. Dummerweise hatte er den Raum verlassen, sodass wir ihn nicht darauf aufmerksam machen konnten. Der Tee konnte anschließend natürlich auch gekostet und gekauft werden.

Die Reibemaschine

Das gibt es bestimmt nicht das ganze Monatsgehalt

Die letzte Station war die Butterfly-Farm, in der es aber auch Schlangen, Insekten, Spinnen, Igel und Kaninchen gab. Es dauerte jedoch ein wenig bevor wir unser Ziel erreichten, denn wir steckten in einem massiven Stau. Die Bergstraße war für deutsche Verhältnisse 1,5-spurig und an jeder Kurve stand jemand und winkte die Fahrzeuge vorbei. Unser Guide meinte, dass die völlig normal für ein Wochenende ist. Es wirkte jedoch sehr abenteuerlich, da die Autos sich mit einem Millimeter breitem Abstand passierten.






Zum Abschluss genossen wir noch ein tolles Schokofondue auf der Erdbeerfarm und fuhren mit dem Taxi zurück zu unserer Unterkunft. Als ich mich auf dem Beifahrersitz sitzend anschnallen wollte, meinte der Fahrer: " No belt!" Als ich ihn fragend ansah, erklärte er, dass es ja eigentlich Pflicht sei, ich aber bei ihm keinen Gurt brauche. ok?!? Es war im allgemeinen ein sehr redseliger Fahrer und er erzählte uns, dass das eine Restaurant an dem wir vorbei fuhren horrende Preise hat, ein Anderes jedoch sehr schön sei und auch einen Kamin habe. Beiläufig meinte er noch, dass er uns aufgrund des hohen Verkehrs mehr abrechnen würde, dies aber mit allen macht und dann ging es auch schon weiter und er fragte uns nach unserer Herkunft und erzählte, dass er endlich seine permanente Aufenthaltsgenehmigung für Malaysia bekommen hat. Wir wussten, dass der normale Preis für die Fahrt 8 MYR und als wir ankamen sollten wir ihm einen Vorschlag machen, was wir bezahlen möchten. Wir schlugen 10 vor, er wollte 12, nach einer kurzen Disskusion haben wir ihm 10 hingelegt und sind ausgestiegen.


Es regnete immer noch und die anderen beiden gingen auf den Markt, um Erdbeer-Flip-Flops zu kaufen (es gibt hier alles mit Erdbeeren, sogar Ohrwärmer, die die Muslime dann über ihren Kopftüchern tragen, das sieht witzig aus :D )
Nachdem ich ein kurzes Nickerchen gehalten habe, trafen wir uns wieder zum Abendessen und fuhren in den Nachbarort, um dort auf den Night market zu gehen. Das war auch problemlos und wir hatten eine schöne Zeit. Als wir jedoch eine Bar suchten um ein Bier zu trinken, kamen wir aus versehen in einen absolut leeren Stripclub (wir waren 4 Mädels und ein Mann). Es war schon etwas komisch, dass die das Licht AUS machten als wir eintraten und die beiden "Kellnerinnen" sich um "unseren Mann" versammelten. Naja wir verließen das Lokal dann und entschieden, zurück zu fahren und uns dort in eine Bar zu setzten, die wir vorher bereits gesehen hatten.
Anscheinend gibt es aber nur 3-4 Taxis und diese waren ewig unterwegs, sodass wir nach einer anderen Möglichkeit suchten, um zurück zu kommen. Ich dachte mir, man könnte ja versuchen die Reisebusse anzuhalten und zu fragen, ob sie uns bis zum nächsten Ort mitnehmen könnten. Der erste Versuch scheiterte. Aber dann habe ich einen Polizisten gefragt und der hat dann den Bus für uns angehalten. Als wir dem Fahrer dann beim Aussteigen etwas Geld geben wollten, hat er es abgelehnt und wir waren happy über unsere kostenlose Mitfahrgelegenheit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen